Am 11. Januar sollte ich in Ratingen einrücken. Eigentlich sollte ich erst nachmittags dort sein, aber da meine Freundin, die mich gefahren hat, bis spät. 12.00 Uhr zuhause sein musste, war ich bereits um 10.30 Uhr in Ratingen. Ich bin dann direkt zur Anmeldung, hab mich angemeldet und auf der Station gefragt, ob ich meine Taschen dort lassen kann, was auch kein Problem war....
Dann habe ich eine Runde durch Ratingen gedreht, mir den „Adipositas-Turm“ angeschaut, mit Begeisterung eine Weltbild-Filiale entdeckt und mich dort lange aufgehalten.
Gegen 13.00 Uhr konnte ich auf Station sein, Schwester Barbara hat mir dann mein Zimmer gezeigt, ich hab ausgepackt und mich niedergelassen. Der Nachmittag verging dann mit Lesen, Labor, Aufklärung durch die Anästhesistin, Aufklärung durch den Oberarzt (und dem habe ich wohl viel zu aufmerksam zugehört...), Besuch der Ernährungsberaterin usw.
Dr. Dellanna kam auch vorbei.
OP-Termin sollte der nächste Tag gegen 13.00 Uhr sein.
Am 12. Januar hab ich morgens noch ausgiebig geduscht, mich in die Thrombose-Strümpfe gezwängt und das OP-Hemd übergeworfen, allerdings erst später....
Gegen 12.40 Uhr wurde ich abgeholt.
Nach der OP im Aufwachraum fühlte ich mich eigentlich noch recht gut, nur hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, mein Rücken bricht über... Ich hab es auf mein Hohlkreuz geschoben und darauf, dass ich auf dem OP-Tisch so gerade gelegen hatte.
Kurz darauf kam ich wieder auf mein Zimmer, ich hab auch sofort meinen Mann angerufen, dass es mir soweit gut geht und dass ich nur Rückenschmerzen habe...
Die wurden im Laufe des Nachmittags allerdings immer heftiger und irgendwann hieß es dann, ich käme zur Überwachung für eine Nacht auf die Intensivstation.
Dort wurden die Schmerzen immer noch schlimmer, zeitweise hab ich an meine Freundin denken müssen, die immer gesagt hat, sie hatte so schlimme Schmerzen, man hätte sie bestimmt vom OP-Tisch fallen lassen...
Irgendwann holte die Nachtschwester Hannelore den Oberarzt Dr. Keller. Ich hatte mittlerweile fast einen Liter Wasser getrunken, was ich ja eigentlich gar nicht durfte, also bekam ich die Flasche weggenommen.
Mein Hb-Wert war ziemlich schlecht....
Also ging es am nächsten Morgen wieder in den OP. Ich konnte noch nicht mal weinen oder so, ich hatte so Schmerzen, dass ich gedacht habe, wenn ich jetzt sterbe, macht auch nichts, Hauptsache, der Schmerz lässt nach...
Nach der OP wurde mir erklärt, dass ich in den Restmagen geblutet hatte... dem Arztbericht hab ich dann entnommen, dass man 2 Liter Hämatom abgesaugt hat...
Im Laufe der Tage machte mir meine Zwerchfelllähmung und die verminderte Sauerstoffzufuhr deshalb immer mehr zu schaffen. Am 16.01. wurde ich gastroskopiert und schutzintubiert. Bei der Gastroskopie zeigte sich eine Anastomoseninsuffizienz der Klammernaht. Da eine Stent-Einlage geplant wurde und eine längerfristige Beatmung abzusehen war, wurde ich am gleichen Tag tracheotomiert.
Am 18.01. wurde erneut gastroskopiert und der Stent gelegt. Außerdem bekam ich eine Ernährungssonde bis tief unter die untere Anastomose, damit man mich darüber ernähren konnte. Leider hatte ich einen Reflux, so dass so ziemlich alles, was man mir über die Sonde zuführte, als grüne Galle wieder hochkam. Ich hab nur grüne Galle gespuckt und hatte das Gefühl, mein ganzer Bauch ist verätzt.
Einen Darmkeim hatte ich mir auch eingefangen, so dass ich den Mitarbeitern das Leben leider sehr schwer gemacht habe, wo ich lag und stand, mussten sie wischen..
Das brachte mir ein paar Tage Isolation ein, aber irgendwie merkt man das auf der Intensivstation auch nicht wirklich.
Das Schlimmste war, dass ich mich nicht verständlich machen konnte und das Schreiben hat mich sehr angestrengt. Nichtsdestotrotz habe ich immer alle Fragen aufgeschrieben und den Block hingehalten.
Die Zeit auf der Intensivstation, fast 3,5 Wochen, war für mich sehr anstrengend. Manche haben sich beschwert, dass ich keine Antwort auf SMS gegeben habe oder nur wenig, aber es war mir alles zu anstrengend. Ich habe weder gelesen, noch sonstwas....
Mein Mann hat mir den Laptop mitgebracht, aber so verkabelt, da hab ich mit einem Finger die Buchstaben nicht gefunden, wo ich doch sonst immer mit 10 Fingern blind schreibe...
Einen Tag ging es mir mal besser und ich saß im Stuhl, war ab vom Beatmungsgerät für eine bestimmte Zeit und da habe ich mir den Laptop genommen, mir Music von John Miles eingestellt und im Takt mit der Musik geatmet..... Klingt komisch, aber hat mir gut geholfen... Dann hab ich die Musikordner so durchgestöbert und mir kamen wieder die blöden Witze in den Sinn, die ich vorher gemacht habe, von wegen welche Lieder ich nicht hören will im OP.
Und dann hab ich von Meat Loaf Heaven can wait gefunden..... das hab ich mir dann auch ein paar Mal angehört... Nicht, dass ich denke, dass ich da oben mal lande, aber ich fand es so passend... So habe ich es fast zwei Stunden ohne Beatmungsgerät geschafft.
Dr. Dellanna kam immer mal wieder auf die Intensivstation um zu schauen, wie es mir geht.
Da hatte ich dem Dr. Etzkorn bei den Risiken so gut zugehört, dass ich so ziemlich vieles davon mitgenommen hatte.
Als der Herr Professor Wagner dann bei mir war und anfing, über die Risiken bei der Stententfernung zu reden, hab ich innerlich die Finger in die Ohren gesteckt und lololololo gesummt.... Natürlich nicht so, dass er es merkte.... Aber ich hab mir gedacht... nein.... was du nicht weißt, passiert auch nicht.... Als er dann frug, ob ich alles verstanden habe, hab ich ja genickt und ob ich noch Fragen hätte, nein....
Wie ich die Zeit auf der Intensivstation überstanden habe, weiß ich noch gar nicht selber so genau.... ich glaube, ich habe einen Schutzmechanismus aktiviert. Vor mir war ein Fenster zum anderen Zimmer hin, natürlich mit Jalousien dahinter..... Da hing ein großes Plakat mit vielen kleinen Grüßen aus dem Muki-Forum, in dem ich schon sehr lange bin, ein Bild von meinem Mann mit meinem Sohn und zwei Bilder, die mein Sohn mir gemalt hat.
Darüber hing eine Uhr, diese hatte eine digitale Sekundenanzeige im unteren Bereich und ich weiß, alle 20 Sekunden sprang der Minutenzeiger ein Stückchen weiter.
Ich habe mich total ausgegrenzt, ich habe mich nicht gefragt, wie es zuhause läuft, ob es klappt, wie es ist, gar nichts.... ich habe versucht, nicht zu denken.
An einem Abend kamen meine Schwägerin und mein Schwager noch später und ich hatte davor schon Besuch, war erschöpft und bat Schwester Marlies, nur meine Schwägerin reinzulassen und bitte nicht lange. Und ich weiß, meine Schwägerin meinte es nicht böse, aber sie nahm meine Hand, meinte so, das hätte ich mir bestimmt alles anders gedacht und ich würde mir bestimmt Sorgen machen um den Jonah... da hab ich den Block genommen und geschrieben, dass ich davon nichts hören will. Nach 5 Minuten ist Schwester Marlies dann gekommen und hat darum gebeten, zu gehen, ich wäre doch sehr erschöpft, mir sei es schon den ganzen Tag nicht gutgegangen.
Auch das hat mich nicht runtergezogen.... Ich habe einfach weiter die Uhr studiert und versucht, nicht zu denken.
Nur, als ich von der Intensivstation verlegt wurde auf die normale Station, da wurde ich kribbelig und hibbelig und da funktionierte dieser Selbstschutz nicht mehr.
Dienstags bin ich verlegt worden auf die Normalstation und als Mittwochmorgens die Visite kam mit Dr. Dellanna habe ich ihm gesagt, dass ich bitte nach Hause will....
Er hat dann zugestimmt und ich war so froh darüber, muss aber im Nachhinein gestehen, dass es doch etwas früh war. Ich hab schon noch arg mit dem Kreislauf Probleme und versuche hier, meine Beine wieder zu trainieren.
Die ersten zwei Tage habe ich fast nur geschlafen und abends um kurz vor 20.00 Uhr ist der Tag für mich um, dann kann ich nicht mehr und falle ins Bett.
In 2-3 Wochen soll ich zur Sprechstunde kommen und dann wird entschieden, wann der Stent entnommen wird.
Eins muss ich aber anmerken.... von den Chefärzten angefangen über die Oberärzte, Stationsärzte, bis hin zu den Krankenschwestern und der Putzfrau, es waren bis auf eine Ausnahme alle sehr bemüht und nett.
Trotzdem, die 3,5 Wochen Intensivstation stecken mir noch arg in den Knochen und so laufe ich hier gerade mehr oder weniger auf Sparflamme....
Es gab hier in der Familie schon Vorwürfe von wegen hättest du mal nicht, aber da stecke ich mir wieder die Finger in die Ohren und summe lolololo..... Dass es Risiken geben könnte, war mir vorher bekannt, dass ich sie mitnehme, natürlich nicht.
Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich noch nicht soweit, dass ich sagen würde, ja, das würde ich wieder tun, aber ich denke, ein solches Fazit so kurz nach einer solchen Zeit kann man auch nicht ziehen.