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Infobeispiel Tamara


Es ist immer so eine Sache, wenn mich Menschen fragen: „Wie konnte es überhaupt soweit kommen….?“ Ja, wie kam es soweit?

Ein wenig Pummelig war ich schon als Kind. Nicht übermässig, aber doch schon etwas. In der Pubertät und dem Ehrgeiz auch den Jungs zu gefallen, konnte ich mich dann wieder einigermassen zügeln.
Mit knapp 18 Jahren (1989) lernte ich dann meinen späteren Ehemann kennen und ich wurde auch innerhalb kürzester Zeit schwanger. Da begann meine Gewichtskarriere. In der ersten Schwangerschaft nahm ich von 58 Kg auf knapp über 100 Kg zu. Schwangerschaftsvergiftung, Bluthochdruck etc. die ganze Palette bekam ich zu spüren. Nachdem meine Tochter auf der Welt war, konnte ich mein Gewicht innerhalb von 2 Jahren wieder auf 75 Kg reduzieren.

1995 hörte ich dann auf zu rauchen und danach ging es nur noch aufwärts mit dem Gewicht. Ich war schon vor Mikes Schwangerschaft mal auf 90 Kg. Nahm wieder ab. Nahm wieder zu. Der altbekannte Jojo-Effekt hatte bei mir schon lange Eingesetzt. Mike kam auf die Welt, Jessy 20 Monate später. Bei Jessy's Geburt wog ich ca. 112 Kg. Ich verlor zwar das Gewicht nach der Geburt, nahm es aber in der Stillzeit wieder zu. In der Zwischenzeit probierte ich immer wieder neues aus. Z.b. Modifast, Xenical, Reductil, Weight Watcher, Psychotherapie, Herbalife…an jedem Strohhalm klammerte ich mich fest…kurzzeitig brachte es immer eine Abnahme…und etwas später war dann wieder das verlorene Gewicht plus Bonus drauf.

Tja, eines Tages sprach mich mein Frauenarzt darauf an, ob ich mir schon mal überlegt hätte, ein Magenband einsetzen zu lassen. Ehrlich gesagt, war ich erstaunt. Ich? Bin ich denn dick genug für so was? Tja, ich habe mich selber immer noch mit ganz anderen Augen gesehen, als die ganze Welt um mich herum.... Ich habe mich im Internet sehr genau über das Magenband informieret. Dabei bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es für mich das einzig richtige Hilfsmittel ist. Endlich einmal essen zu können und nachher "satt" zu sein. Das konnte ich mir noch gar nicht richtig vorstellen. Es folgten mehrere Untersuchungen die für die Operation wichtig waren. Ich habe einen chronologischen Ablauf über meine Voruntersuchungen erstellt:

Oktober 2000:
1. Termin bei meinem Hausarzt. Ich habe ihn über meinen Wunsch, mir das Magenband legen zu lassen informiert. Eigentlich war er gar nicht sooo begeistert über diesen Bescheid. Grundsätzlich befürworte er solche Eingriffe nicht, meinte er. Aber er wusste ja wie viel ich zusammen mit ihm schon probiert hatte um mein Gewicht endlich längerfristig reduzieren zu können. (Modifast, Weigth Watcher, Psychotherapie, Reductil, Xenical etc.) Er überwies mich an die Adipositas-Sprechstunde des Kantonsspitals St. Gallen. (sehr gute Website über Adipositas!)

Dezember 2000
Erstes Gespräch im Kantonsspital mit Frau Dr. Stockhorst. Eine sehr freundliche kompetente Ärztin, die sich gut in Adipöse einfühlen kann. Bestandaufnahme, Ernährungsprotokoll zusammen angeschaut. Die Voraussetzungen für eine MB-OP erfüllte ich alle. (BMI >40, langfristige Diätkarriere etc.) Bis zum definiten Bescheid muss ich noch folgende Untersuchungen machen lassen: 

  • Abklärung beim Psychologen
  • Gespräch mit der Ernährungsberaterin
  • Magenspiegelung
  • Manometrie (Druckmessung im Magen

Januar 2001
Wurde ich vom Psychologen empfangen. Er war auch nicht unbedingt ein Fan der Magenband-OP und ich fühlte mich richtig an den Pranger gestellt von ihm. Innerhalb dieser 30-minütigen Sitzung in der ich mich wirklich unwohl fühlte und der Typ meinte noch ich erzähle ihm meine ganze Lebensgeschichte sagte er am Schluss zu mir: "Ich glaube sie ziehen hier eine Riesen Show ab und spielen mir die lustige immer lachende Frau vor. Was machen Sie denn, wenn sie mit dem Magenband nicht abnehmen und danach völlig frustriert wieder zum mir kommen müssen...". Der Psychologe war für mich gegessen. Ich ging traurig nach Hause und dachte, der schreibt dir nie im Leben einen positiven Bericht aber trotzdem wurde der Antrag auf Kostenübernahme an die Krankenkasse geschickt.

Februar 2001
Positiver Bescheid der Krankenkasse für die Kostenübernahme. Ich war überglücklich. Nun konnten die zusätzlichen Untersuchungen auch gemacht werden. Die Magenspiegelung war der absolute Horror für mich. Der Arzt war alles andere als einfühlsam. Er fragte mich, ob ich mir das gut überlegt hätte mit dem Magenband und ob ich denn schon alles probiert hätte. Die LMAA-Spritze wurde mir neben die Vene gespritzt so dass ich die ganze Spiegelung mit klarem Bewusstsein miterleben durfte, welch ein Spass :-(. Er diagnostizierte einen Zwerchfellbruch. Aus diesem Grunde wurde die Manometrie gemacht. Die ist übrigens nicht viel angenehmer als die Magenspiegelung...später während der Operation haben sie jedoch gemerkt, das gar kein Zwerchfellbruch vorhanden war! Ich bekam den Spital-Termin für den 22.5.01. Laaaange Zeit warten war angesagt.

Mai 2001
Endlich rückt der OP-Termin näher! Am Vorabend telefonierte mir jemand vom Spital und sagte, die Betten seien wegen vieler Notfälle überbelegt. Ich könne am nächsten Tag nicht kommen. Päng! Alles organisiert für die Kinder usw. und nun das! Ich wusste echt nicht mehr weiter, denn auch bei der Arbeit war alles geregelt und vorbereitet. Es war gerade Auffahrt und die Stellvertretung war avisiert. Ich bat auf Knien um Rücksichtsnahme auf meine Situation. Ich wurde vertröstet, am nächsten Morgen zu Hause auf ein Telefon zu warten. Statt einzurücken wartete ich also zu Hause. Dann das Telefon. Ich dürfe kommen, um 14 Uhr würde ein Bett frei werden. Phuuu! Glück gehabt. Am Nachmittag machte ich mich also auf den Weg und kam in das Spital. Verschiedene Untersuchungen mussten noch gemacht werden. Blutentnahme, EKG (Splitternackt auf dem Velo zu radeln, Mensch war das ein Ereignis), Lungenfunktionstest und Ernährungsberatung. Danach sollte ich noch mit dem Chirurgen Dr. Thurnheer und mit dem Anästhesisten ein Gespräch haben. Da die OP nun doch nicht mehr am nächsten Tag gemacht werden konnte und der übernächste Tag Auffahrt war durfte ich nochmals nach Hause gehen. Am 24.5.01 um 17 Uhr kam ich wieder in das Spital. Ich durfte bereits zu Hause so ein feines Abführmittel zu mir nehmen und im Spital rannte ich dann unentwegt aufs Klo. Die Nacht verbrachte ich relativ ruhig nur ein wenig nervös.
 
Tag der Operation 25.5.01
um ca. 7 Uhr wurde ich geweckt. Kein Frühstück, schade... obwohl, Hunger hatte ich ja keinen ;-) Ich freute mich auf die OP und die Zeit verging viel zu langsam. Ich duschte noch, und zog mir dann das OP-Hemdchen an. Dann eine Tablette und schon kamen die Schwestern und schoben mich in den OP. In der Vorbereitung wurde mir die Infusion gelegt und mit tollen warmen Tüchern zugedeckt. Irgendwie bekam ich noch mit, dass ich einen kleinen dünnen Schlauch schlucken musste, war aber gar nicht tragisch, denn schon war ich weg!

.....äh, hallo Filmriss! Ich wache auf und alles tut mir weh. Am schlimmsten ging das Atmen. Der Eingriff wurde minimalinvasiv, das heisst ohne grossen Bauchschnitt, nur mit 5 ca. 2 cm grossen Schnitten durchgeführt. Dabei wird während der Operation der Bauchraum mit Gas gefüllt und dieses Gas verursacht die grössten Schmerzen nach der Operation. Bei mir jedenfalls. Alles andere war halb so wild. So halbwegs wach wurde ich wieder ins Zimmer geschoben. Ich bekam Besuch von meinem Schatz und den Kleinen und meiner Mami aber es war noch nicht wirklich soo toll. Es dauerte so ca. 1 Tag und ich wurde langsam wieder fit.

Am Tag nach der OP wurde ich geröntgt um zu sehen wie das Band sitzt. Es war alles i.O. somit durfte ich wieder trinken. Langsam und sehr vorsichtig tastete ich mich an dieses neue Gefühl hin. Schon im Spital durfte ich mich wieder an püriertes Essen wagen. Diese Phase dauert bis sechs Wochen nach der OP. Es ist nötig, damit das Band, welches mit Nähten angemacht wurde sich festigt und die Schleimhäute die während der Operation anschwellen sich wieder zurückbilden.

Nach der Operation
Seit der Operation bin ich in regelmässigen Abständen zum wiegen und zur Kontrolle in der Adipositas-Sprechstunde. Wenn nötig wird das Band gefüllt, Blutwerte untersucht, Kalorienmessung und Röntgenbilder über die Lage des Magenbandes gemacht. Die Ernährungsberatung wurde noch über den Zeitraum von einem Jahr gemacht. Ich habe bis jetzt sehr gute Erfahrungen mit meinem neuen Freund und Helfer gemacht und für mich hat sich mein Leben total verändert. Mit den wenigen Einschränkungen (nicht trinken während dem Essen und für eine Stunde danach) kann ich sehr gut leben und die Horrorgeschichten sind alle gar nicht wahr. Ich musste mich noch fast nie übergeben, denn ich habe gelernt, das Essen ausreichend zu kauen. Ich kann eigentlich alle Lebensmittel essen, bzw. ich geniesse jetzt das Essen ganz anders, viel Bewusster und endlich auch nach einer Mahlzeit satt zu sein!

Meine 2-Jahres-Kontrolle am 21.5.03
Zuerst ging's zum Röntgen. Mhhmmm, schon ein ganzes Jahr war's her, seit ich dieses "feine Gesöff" zuletzt geniessen konnte. Es rutschte nur mühsam runter, am morgen geht's ja sowieso etwas schwerer. Allgemeiner Befund: Vormagen leicht grösser als letztes Jahr, aber soweit kein Problem. Der Durchgang scheint im Röntgen sehr eng zu sein. (Da ich aber alles essen kann, fühlte ich mich noch nie zu eng geblockt.)

Danach hoch zum persönlichen Gespräch beim Chirurgen. Wie fühlen wir uns? Ich erwähne, dass ich in letzter Zeit viel häufiger zu Süssem, vor allem Eis, greife (habe in den letzten 2 Tagen eine 10er Packung Stengeleis verdrückt. Und zwar kein Wassereis sondern Rahmeis....)und dass ich das etwas erschreckend finde. Er meint, ich sei ev. zu stark geblockt. Wir machen einen Deal aus: Bis nächsten Monat führe ich ein Ernährungsprotokoll und vermeide Süssigkeiten. Danach sitzen wir nochmals zusammen und werden ev. etwas entblocken. Ich will ja auch Komplikationen vermeiden... Danach wiegen. Er ist zufrieden, seit Januar - 4 kg, gesamthaft in den letzten 2 Jahren - 50 kg. Der Blutdruck ist in Ordnung, zur Abwechslung wird heute mal wieder Blut entnommen und untersucht.

Danach folgt die Kalorienmessung. Gesamtverbrauch ist um 200 Kal. gesunken, ich habe aber mehr Muskelmasse als bei der letzten Messung, also habe ich hauptsächlich Fett verloren. ;-) Habe aber auch nicht mehr viel Sport getrieben in der letzten Zeit. Ich muss mich echt wieder zusammennehmen, hmm... Zum Schluss gab’s noch ein Foto-Shooting bei der Krankenhaus-Fotografin. Hauptsächlich wurden Bilder vom Bauch gemacht, für eine ev. Kostenübernahme der Krankenkasse bei der Wiederherstellung.

Tja, dass waren die News von mir. Bin jetzt etwas auf Entzug, da ich meine Süssigkeiten nicht mehr bekommen kann. HILFE, das wird mir echt zu schaffen geben. Komme mir vor wie ein Süchtiger. Habe überall Zettel hingeklebt, KEINE SÜSSIGKEITEN!! Seit ich bei ca. 65 kg angekommen bin, setze ich mit dem Gedanken der Wiederherstellungs-Operation auseinander. Habe ich so eine Operation überhaupt nötig? Ich habe ja langsam abgenommen und immer Sport getrieben. Doch die Haut wurde durch das extreme Übergewicht und natürlich auch die drei Schwangerschaften mit hohem Gewicht viel zu fest strapaziert. Sie hängte beim Bauch runter wie ein alter Lappen. Kaputte Haut kann sich auch mit viel Sport und teuren Cremen gar nicht mehr zurückbilden. Wie ein Luftballon dem man die Luft raus lässt schrumpelt sie.

Im Juni 2003 ging ich zu einem Vorgespräch zum plastischen Chirurgen Dr. Poëll aus St. Gallen. Er klärte mich über die Möglichkeiten auf. Für mich kam eigentlich nur ein Bodylifting in Frage. Hier wird rundum zwischen Hüfte und Taille die Überschüssige Haut entfernt und auch gestrafft. Es wurde eine Kostengutsprache von der Krankenkasse eingeholt, die ich im August 2003 auch bekam. Mir wurde die Entfernung der Fettschürze bewilligt. Die Differenz zur "Rudum-Erneuerung" musste ich jedoch selbst tragen.

Am 3. Oktober 2003 wurde ich in der Klinik Stephanshorn, St. Gallen von Dr. Poëll während ca. 5 1/2 Stunden operiert.

Mein OP-Bericht:
Am 3.10. kam ich um 8 Uhr nüchtern ins Spital. Eingezeichnet wurde ja am schon am Vorabend. Dann wurde mir mein Zimmer zugewiesen und ich durfte kurz ins Labor um meine Blutwerte zu checken. Kaum hatte ich mein Eintrittsgespräch hinter mir, wurde mir auch schon mitgeteilt, dass ich mich zur OP vorbereiten soll. D.h. Nachthemdchen anziehen und Valium reinschieben. Im OP unten schlotterte ich vor Aufregung schon am ganzen Körper. Dann gab’s so ne milchig-weisse Infusion die liess mich aber gleich auf Wolke 7 schweben. Also ganz ruhig und bedächtig schlief ich dann ein. Die Uhr zeigte 10.15 Uhr.

Wach wurde ich im Aufwachraum wieder. Ich mag mich erinnern, wie die Schwestern mir sagten, dass ich toll aussehe und wie ich denn so viel Gewicht verloren hätte. Ich erzählte denen auch meine Story. Ob dass alles wahr oder nur ein Traum war, weiss ich heute gar nicht mehr.... Das war so ca. um 16 Uhr. Schmerzen hatte ich gar keine. Ehrlich gesagt, war es immer meine grosse Angst, dass so was ja irrsinnige Schmerzen verursachen muss, aber wirklich ich kann versprechen: KEINE SCHMERZEN!

Am Freitag-Abend sollte ich noch kurz aufsitzen, mir wurde aber sofort komisch und ich sagte der Schwester, dass ich das nicht schaffe. Mein Blutdruck machte eigentlich die ganze Zeit am meisten Sorgen, die ersten Tage stieg er kaum über 90/50 und somit war das aufstehen auch sehr schwer. Es ging aber jeden Tag besser. Montag-Abend wurden mir dann die 3 Drainagen gezogen und der Verband „gewechselt“. Danach waren eigentlich nur noch so Abdeckklebebänder drüber. Der Bauchnabel blutete die ersten 2 Tage etwas... Ich durfte am Dienstag nach Hause gehen, da ich versprach noch viel zu liegen und keine Hausarbeit zu verrichten. Die ersten Tage juckte und kratzte es überall unter dem Bauchgurt. Auf die trockenen Hautstellen habe ich etwas Bepanthen gestrichen. (Nein, nicht auf die Naht).

Januar 06
Dieses Glück konnte ich bis im Sommer 2005 geniessen. Mit meinem Bestgewicht von 59 Kg. Mein Band war seit Sept. 02 immer mit derselben Menge geblockt und auf einmal bekam ich massive Probleme mit der Speiseröhre. Sie brannte häufig tagsüber, nachts hatte ich keine Beschwerden. Am Anfang dachte ich, dass es evt. psychisch bedingt war, da ich gerade in der Trennung nach einer 16-jährigen Beziehung war und ich von meinen zwei kleinen Kinder getrennt wurde (und immer noch bin). Magenbeschwerden sind ja oft ausgelöst durch Stress. Also, ich hab das natürlich den Ärzten gesagt, dass ich unter Speiseröhren-Brennen leide. Als erste Lösung wird das Band etwas gelockert…Nach 2 Monaten wieder zur Kontrolle…Beschwerden immer noch da…Also werde ich zur Magenspieglung geschickt. Diese stellen letzten Dezember eine Speiseröhren-Entzündung mit Erosionen fest und ausserdem auch bei mir dieses fiese Bakterium das sich im Magen eingenistet hat. Schon hier wird mir empfohlen das Band ganz zu entblocken. Da ich meinem Arzt aber sage, dass ich seit der letzten Teilentblockung wieder ungezügelt essen kann, entblockt er nur einen weiteren kleinen Teil. Es folgt Medi-Therapie mit Antibiotika und Protonenpumpenblocker für die Speiseröhre.

Nach 2 Monaten telefoniere ich mit meinem Arzt. Ich will dringend wieder geblockt werden, da ich schon über 10 Kg zugelegt habe. Also, mein Arzt blockt mich wieder etwas, verlangt aber dass ich nochmals zur Magenspieglung gehe. Diesen Termin bekomme ich am nächsten Tag. Ich bin positiv eingestellt, da ich überhaupt kein Brennen mehr verspüre. Tja, leider war diese Magenspiegelung unverändert. Die Speiseröhre war trotz Medis und entblockung immer noch massiv entzündet. Der Gastro-Arzt meinte sofort zu mir, dass ich das Band am liebsten heute noch rausnehmen sollte und ob ich mir schon einmal Gedanken über eine Umwandlung zum Bypass gemacht hätte. Auf das war ich eigentlich gar nicht vorbereitet…Ich liebe doch mein Band und wir haben sooo toll zusammengearbeitet… und nun das…

Einen Tag später war ich bereits wieder im Adipositas-Zentrum zur vollständigen Entblockung meines Bandes. Jene unter euch, die diese Erfahrung auch machen durften, wissen was das bedeutet. Man kämpft jeden Tag erneut gegen das Hungergefühl, gegen die Gelüste und jeden Tag macht man die deprimierende Erfahrung zu versagen, zu verlieren. Man hat keine Chance auf längere Zeit diesen Kampf zu gewinnen.

Bei meiner Krankenkasse wurde nun die Kostenübernahme für einen Bypass beantragt. Ihr könnt euch vorstellen was die Kasse zu einer Umwandlungs-OP mit einem BMI von 27 geantwortet hat. Ich hatte das grosse Glück, dass ich mit meiner Sachbearbeiterin persönlich sprechen konnte und ihr die Problematik erklären konnte. Mein Bauch schmerzte ständig, da durch den Bodylift kaum noch Platz vorhanden ist für den sich ausdehnenden Magen. Es spannt ganz schlimm. Es kommen natürlich alle gewichtsbedingten Krankheiten wieder zum Vorschein. Nach dem Gespräch, konnte ich mit meiner Kasse eine Vereinbarung treffen, dass ich mich an der Umwandlungs-OP beteiligen würde. Ich glaube, ich hätte dieser Frau die Füsse geküsst, wäre sie in diesem Moment vor mir gestanden…

Nun, die Abklärungen sind alle gemacht, die Untersuchungen erledigt und nun werde ich am 03.04.06 in den Kantonsspital einrücken und werde am 04.04.06 einen dystalen Magen-Bypass erhalten. Es wird diese Variante operiert, da ich durch das Band schon einen sehr tiefen Grundumsatz habe und die langfristigen Erfolgschancen viel höher sind. Ich habe grossen Respekt vor dieser OP. Vertraue aber 100% meinem Chirurgen. Aber was habe ich auch für Alternativen?

April 06
Am 3.4.06 trete ich um 10 Uhr im Spital ein. Die wichtigsten Voruntersuchungen wie Bauchultraschall, Lungenfunktionstest, grosse Blutentnahme, EKG wurden bereits vor einem Monat gemacht. Zimmerbezug und Eintrittsgespräch folgen als erstes. Danach musste ich noch zum Toraxröntgen und ins Fotostudio des Spitals. Der Stationsarzt führte an diesem Tag noch ein Vorbereitungsgespräch mit mir und mein operierender Arzt kommt auch noch auf einen Sprung vorbei.

Um 14 Uhr erhielt ich bereits das Abführmittel. Auf die Wirkung wartete ich jedoch vergeblich. Ich musste den ganzen Tag und auch die nachfolgende Nacht nicht aufs Klo. Sogar die Nachtschwester rief ich, da ich bedenken hatte, falls ich nicht abgeführt bin, könnten sie mich nicht operieren…*grins* Sie beruhigte mich jedoch und meinte, operiert würde ich auf alle Fälle…Ich schlafe gut und ruhig, sogar ohne Schlafmittel.
Um 6.30 wurde ich geweckt, damit ich noch kurz duschen und das sexy OP-Hemdchen anziehen darf. Um 7.20 werde ich in den OP-Raum gefahren. Ich komme in den Narkoseraum, mir wird die Blutdruck-Manschette angezogen, bekomme die Infusion und schon bin ich weg…träum, träum…

Ich wache auf im Aufwachraum und merke, dass alle um mich herum recht beschäftigt sind. Glaube sogar, keiner hat gemerkt wie wach ich schon wieder bin…obwohl einen Filmriss hatte ich definitiv schon, weiss nämlich nicht mehr, wie ich auf mein Zimmer kam. Bin sogar um 14 Uhr so fit, dass ich mich erinnere Michael anzurufen weil ich ihm versprochen hatte, bescheid zu geben wie die OP lief. Die Schwestern kamen häufig zu mir um zu fragen wie fest die Schmerzen sind. Von einer Skala von 1-10 (wobei 10 das Max. ist) konnte ich immer zwischen 2 bis 4 angeben. Am OP-Tag schlief ich noch viel, konnte die Augen einfach nicht allzu lange offen halten, obwohl ich wollte… Stand am Abend allerdings bereits das erste Mal auf. Das schlimmste war für mich an diesem Tag der trockene Mund, und nichts trinken zu dürfen.

Am nächsten Tag (Mittwoch) ging es mir schon wieder sehr gut. Ich war recht mobil, konnte mich selber im Badezimmer waschen und der Blasenkatheter wurde bereits gezogen. Donnerstag war ich schon wieder viel unterwegs. Am Freitag durfte ich zum Schluckröntgen um zu sehen ob ich „dicht“ bin. Ich war unendlich erleichtert, als der Arzt stumm nickte und meinte es sei alles ok. Das hiess für mich endlich wieder trinken. Samstag war ich eigentlich schon wieder so fit, dass ich unendlich gerne ans Schweizertreffen gekommen wäre, leider hing ich noch an der Infusion, die wurde mir erst am Sonntag gezogen da ich ab dann Kostaufbau hatte. Montag war der erste Tag mit pürierter Kost und Dienstagmorgen durfte ich ja bereits wieder heim. Ich hatte seither noch kein einziges Mal ein drücken oder Unwohlsein beim Essen. Vertrage alles sehr gut und habe 6 Kg abgenommen.

Ganz unspektakulär also, mein OP-Bericht.

4.6.06 2 Monate Post-Op nach Umwandlung MB-Distaler Bypass
So, nun sind für mich auch schon wieder 2 Monate seit der OP vergangen und ich möchte euch mal schreiben, wie es mir geht. Also, zuallererst: Es geht mir blendend! Ich habe das Gefühl, endlich das leidige Thema rund ums essen vergessen zu können. Ich mache mir keine Gedanken mehr, wie viel ich wiege, wie viel ich esse, wann ich esse, warum ich esse…das alles konnte ich inzwischen zur Seite legen. Bin am 4.4.06 operiert worden und konnte eine Woche später das Spital verlassen.

Die Op und die Tage danach konnte ich sehr gut wegstecken, ich weiss nicht ob das wegen meines niedrigen Ausgangsgewichts oder einfach weil ich nicht sehr schmerzempfindlich bin war. Es ging mir schon seit dem Tag der OP immer sehr gut. Keine Schmerzen, keine Beschwerden. Die kleinen Op-Narben heilten innert kürzester Zeit. Im Spital begann der Kostaufbau mit erst flüssig, dann püriert. Die drei Esslöffel, die auf dem Teller lagen konnte ich sehr gut essen und ich hatte danach sogar noch Hunger ;-).

Zuhause begann ich danach langsam und gut gekaut normal zu essen. Ich verspürte nie ein Druckgefühl, mir wurde nie schlecht. Was ich vermisste, war der Stop des Körpers, den ich beim Band ja automatisch im Bereich des Pouches/Speiseröhre verspürte. So passierte es mir am Anfang, dass ich einfach ass und ass und ass bis ich Bauchschmerzen bekam. Also die Menge hatte ich noch nicht sofort unter Kontrolle. Was ich jetzt merke, dass die Lebensqualität und das Essverhalten vom Band zum Bypass wirklich Welten sind. Es hat mich zwar mit Band auch nie gestört, wenn ich nur langsam und wenig essen konnte aber es ist halt jetzt wieder ein Stück Normalität zurückgekommen. Vor allem bezüglich Essgeschwindigkeit und Menge. So kann ich beispielsweise eine normale Portion im Restaurant essen, manchmal sogar einen Salat voraus und dann z.B. ¾ Pizza (ja, ich weiss…Pizza ist zu fettig und damit für mich schlecht für die Verdauung…ist ja auch nur um ein Beispiel zu nennen…). Ich geniesse jetzt häufiger einfach wieder Salate, Gemüse, Früchte zu essen, da dies mit Band doch recht schwierig zu essen war. Oder anfallsmässige Gelüste, z.B. auf Chinesisch zur Zeit, kommen urplötzlich und dann muss ich das einfach haben. (Nein...ich bin nicht schwanger...hihi)

Die Verdauung funktioniert Anfangs noch nicht optimal. Ich habe auch das Gefühl, da ich mich wirklich viel überessen hatte bekam ich nach dem Essen meistens Bauchschmerzen. Im Kopf hatte ich auch den Gedanken, jedes Nahrungsmittel ausprobieren zu müssen, ob jetzt das noch geht. Vielfach auch nur um meine Grenzen zu erkennen. Ehrlich gesagt, habe ich bis jetzt noch keine Grenzen kennen gelernt. Ausser Tiramisu…das werde ich in Zukunft wohl eher seinlassen…bekam nach dem Essen solche Bauchschmerzen, dass ich meinte ich bekäme nochmals ein Baby… Erbrechen oder schlecht werden nach dem Essen hatte ich noch nie. Eigentlich fühle ich mich jetzt wieder als ganz normaler Mensch, ohne irgendwelche Einschränkung. Mein Stuhlgang ist inzwischen auch wieder normal. Ganz minim weicher als vor der OP und so ca. 2 bis 3 x täglich, je nachdem wie viel ich esse. Für einen Bypass eine normale Anzahl. Auch Winde oder Blähungen sind sehr selten geworden.

Vom Gewicht her, habe ich den Umbau ja nicht gemacht um abzunehmen oder ein Zielgewicht zu erreichen. Mit meinem Magenband hatte ich ein Zielgewicht von 59 Kg erreicht und das passte gut so. Nach dem öffnen des Bandes nahm ich wieder 15 Kg zu. Ich wollte einfach nicht noch weiter zunehmen. Vor dem Umbau wog ich 74 Kg, inzwischen schwanke ich zwischen 65/66 Kg. Ich bin überglücklich damit. Fühle mich auch wieder wohl in meiner Haut, in meinem Körper.

Zur Nahrungsergänzung die ich einnehmen muss. Ich nehme täglich ein Eisen- und ein Multivitaminpräparat. Calzium und Zink nehme ich als Lutschtablette 2 x täglich. Und 2 x pro Woche eine Folsäuretablette und Vitamin B komplex. Die B-12 Spritze wird mir alle 3 Monate gemacht.

Eure Tamara